Gurten Festival 2010
72'000 Leute haben während vier Tagen auf dem Berner Hausberg mit Bands wie den Babyshambles oder Gossip gefeiert. DRS Virus war live am Start und überliefert dir die einzigartige Gurten-Stimmung mit Fotos, Konzertkritiken und Backstage-Geflüster.
Der Sonntag
Regen ist sowas von gestern. Der letzte Tag auf dem Gurten wird wieder von der Sonne geprägt. Die tollen Konzerte bleiben. Nach den Lokalmatadoren Stiller Has und Steffe La Cheffe kommt es bereits um 14 Uhr zum nächsten grossen Highlight. Florence and the machine verzaubern den Berner Hausberg ein weiteres mal.
Später beweisen The Parlatones aus Südafrika mit einem soliden Konzert, dass es is in ihrer Heimat auch anderes gibt als Fussball. Skunk Anansie, Milow, Gogol Bordello und Amy MacDonald runden schliesslich das Festival ab.
Der Samstag
Und sie spielen schon wieder oben ohne. Die schottischen Biffy Clyro, die erst gerade am Open Air St. Gallen auf der Bühne standen, beweisen auch hier, warum wir Schweizer sie so gerne haben. Hübscher Gitarrensound und eben: keine T-Shirts. Das gehört wohl zum Konzept. Ausserdem sind die drei Jungs äusserst sympathisch. Zum Interview mit DRS Virus erscheinen die beiden Zwillinge James und Ben. Die meiste Zeit wird gelacht: «I don't believe it, this is a radio interview and we're having fun», kreischen die beiden. Das Interview hörst du am Montag bei Anic Lautenschlager zwischen 6 und 10 Uhr.
Das australische John Butler Trio heizt die Stimmung auf dem Gurten weiter auf. Sie schaffen es, dass 25'000 Leute vor der Hauptbühne auf den Boden sitzen und dann wieder in Luft springen. Und obwohl der Regen wieder eingesetzt hat, ist die Stimmung einzigartig. Nun darf man gespannt sein auf die Konzerte von My Heart Belongs To Cecilia Winter, Stereophonics, The Kooks und Archive und hofft, dass der Regen bald wieder aufhört.
Wow! Die Stereophonics rocken die Zeltbühne. Immer wieder eine tolle Liveband. Und auch die Schweizer My Heart Belongs To Cecilia Winter überzeugen auf der Waldbühne. Der Regen hat übrigens wieder aufgehört. Beste Voraussetzungen für das Kooks Konzert.
Der ausverkaufte Gurten bebt weiter. The Kooks spieln mit der nötig arroganten Attitude ein solides Konzert. Da sie aber keine neuen Songs gespielt haben und ohne Zugabe 20 Minuten zu früh von der Bühne gegangen sind, gibt es kleine Abzüge. Die Regenwolken haben sich definitiv verzogen.
In der Zeltbühne spielt es eh keine Rolle, ob es gerade regnet oder nicht. Als kurz nach 23 Uhr die englischen Archive auf die Bühne treten, ist alles rund herum vergessen. Archive nehmen uns mit in eine andere Welt. Was mag nun noch kommen?
Groove Armada kommen. Ganz ehrlich: Wir haben die Band auf dem Line-Up unterschätzt. Die beiden Masterminds Andy Cato und Tom Findlay liefern trotz Schlafmanko (Andy) und leichter Lebensmittelvergiftung (Tom) eine grandiose Show ab. Clubsound mit Herz und vor allem: Sehr vielen Live-Instrumenten. Gitarren, Schlagzeug und sogar Posaune, die Andy Cato gleich selber spielt. Dazu wummernde Bässe und eine Laser-Show. Der Berg tobt.
Der Freitag
«Unglaublich, bei dieser Hitze und um diese Zeit schon so viele Leute vor der Bühne», staunt DRS Virus-Moderatorin Tina Nägeli kurz nach dem Mittag. Angelockt wird die Gurten-Meute von der Parov Stelar Band. Und tatsächlich: Die Menge tanzt.
Noch ein bisschen enger wird es vor der Hauptbühne beim Konzert des englischen Charlie Winston. «Er ist auf die Bühne gezappelt, anders kann man das nicht bezeichnen», erzählt Tina Nägeli. An Gitarre und Klavier überzeugt Charlie Winston das Publikum. Absolutes Highlight ist jedoch seine groovige Stimme: «Trotz 34 Grad hatte ich Hühnerhaut, ohne Scheiss», schwört DRS Virus-Moderatorin Anic Lautenschlager.
Mit englischem Indie-Rock geht's um 17:15 Uhr weiter. The Cribs schneien vorher aber noch in den DRS Virus Sendewagen und erzählen, dass sie sobald wie möglich gerne in der Aare baden gehen möchten. «Nur in der Künstler-Area rumsitzen, einen Gig spielen und dann gleich wieder abreisen ist nicht so unser Ding. Wenn schon wollen wir nach dem Konzert die Stadt sehen, in Bars oder an Parties abhängen», erzählen The Cribs.
Bei Lea Lu auf der Waldbühne indes geht es gemütlich zu. Die Gurten-Besucher haben sich auf den abfallenden Hügel vor der Bühne gesetzt und geniessen zum ersten Mal an diesem Tag eine kühle Brise - Wolken sind aufgezogen.
Eine halbe Stunde später. Beth Ditto, Powerfrau vom amerikanischen Trio The Gossip betreten die Bühne. Zum ersten Mal seit Beginn des Gurten Festivals ist das Gelände vor der Hauptbühne proppevoll mit Musikfans. Beth Ditto scherzt mit dem Publikum, kickt einen auf die Bühne fliegenden Ball zurück in die Menschenmenge - und verliert dabei ihren Schuh. Zwei Minuten später steht Ditto barfuss auf der Bühne und ruft: «Some water, pleeeease! Give me some water, please!» - und wird prompt aus allen Richtungen erfrischt. «Now I'm a real Pamela Anderson», witzelt Ditto.
Kaum ist das Konzert von The Gossip fertig, beginnt es zu regnen. Zwischen zwei Regengüssen kann sich DRS Virus-Moderatorin Tina Nägeli aber noch ein Bild mit der Energiebombe Ditto ergattern.
Das Gewitter ist vorbeigezogen und auf dem Gurten wird abgekühlt weitergefeiert. Das nächste Gewitter ist bereits wieder in vollem Gange. Allerdings keines vom Himmel sondern das Faith No More Konzert auf der Hauptbühne. Diese alten Herren geben Vollgas!
Der Donnerstag
Das fängt ja schon mal gut an. Das sympathische Indiepopduo An Horse aus Australien eröffnet um 16 Uhr das diesjährige Gurtenfestival. «Die waren super. Zwar war es vor der Zeltbühne ziemlich heiss, aber die haben gleich total Action gemacht», berichtet ein begeisterter Festivalbesucher. Auch Virus-Moderatorin Anic Lautenschlager ist von Kate Cooper und Damon Cox von An Horse positiv überrascht. «Die beiden hätte ich am liebsten hier behalten», schwärmt sie nach dem Interview.
Umgekehrt sind Kate und Damon von der Schweiz angetan. «Wir sind gestern samt Kleider in die Aare gesprungen. Das war toll. In Brisbane, wo wir herkommen, kann man das nicht. Davon wirst du krank und in 95 Prozent der Fälle von einem Hai gebissen», erzählen An Horse.
Eine Viertelstunde später auf der Hauptbühne. Bad Religion spielen als erster Hauptact des Abends eineinhalb Stunden lang ihre grössten Hits. «Bad Religion spielen heute zum ersten Mal auf dem Gurten. Und vielleicht wisst ihr's noch nicht, aber wir feiern mit euch unser 30-jähriges Jubiläum! Dreissig Jahre Punkrock, man glaubt es kaum. Danke dass ihr mit uns feiert, dafür haben wir euch ein bisschen Sonne mitgebracht», ruft Bad Religion-Sänger Greg Graffin in die tobende Menge.
«Geiler Sound, geile Leute und Mosch», kreischt ein aufgewühlter Bad Religion-Fan nach dem Konzert. Während des Konzerts hat Bad Religion Frontmann Greg Graffin verkündet, dass im September das 15. Studioalbum erscheinen wird. «Du findest das Album bestimmt jetzt schon auf dem Computer deiner Freunde», witzelt Graffin.
Nicht nur der Sänger von Bad Religion ist gut gelaunt. Der Gurten bebt - nicht nur wegen der Musik - die guten Vibes auf dem Berner Hausberg tun einen grossen Teil dazu. Und dazu Sommer, Sonne, Party. Was für ein Start - und was für eine Aussicht auf drei weitere Tage Gurten.
Um 20:45 Uhr betreten Empire Of The Sun die Bühne. Das heisst, was davon noch übrig ist. Denn seit über einem Jahr ist Luke Steele ohne seinen Empire Of The Sun-Kollegen Nick Littlemore unterwegs. Dieser - so weiss man inzwischen - hat unter anderem mit Elton John an seinem neuen Album für seine eigene Band Pnau gearbeitet. Ganz alleine ist Luke Steele heute Abend aber trotzdem nicht. Mit im Gepäck: Tonnenweise Kostüme und einige Tänzerinnen, welche die spektakuläre Show von Luke Steele visuell unterstützen.
Showtechnisch überzeugen Empire Of The Sun zu hundert Prozent. Nur schade, dass Luke Steele das ganze Konzert über sein eigenes Playback singt. «Das hat überhaupt nicht gestört - die Show war super, und ausserdem muss man berücksichtigen, dass Luke Steele jetzt ja alles alleine meistern muss», meinen à la Steele silbern geschminkte Gurtenbesucher. Von DRS Virus gibt's für so ein Konzert ein dickes Pfui - auch wenn's toll ausgesehen hat.
Während Empire Of The Sun auf der Bühne Tausende unterhalten, springt Virus-Moderatorin Anic Lautenschlager aufgeregt vor dem Sendewagen hin und her, nachdem sie fast ein Foto mit Babyshambles Frontmann Pete Doherty ergattert hat. Fast! «Er legte den Arm um mich und nahm meinen Fotoapparat - aber dann hat er den Auslöser nicht gefunden», empört sie sich. Ausserdem sei er ein kleiner Schmutzfink, er stinke und habe Dreck unter den Fingernägeln. Naja - immerhin wissen wir endlich, dass Doherty zumindest angereist ist - was noch lange nicht heissen muss, dass Skandalnudel Pete dann auch wirklich auftritt...
DRS Virus sendet live vom legendären Gurtenfestival. Die schrägsten Interviews, die heissesten Backstage-Gerüchte und natürlich ganz viel Konzerte. Das hörst du hier auf DRS Virus.
DRS Virus Moderatorin Anic Lautenschlager berichtet zusammen mit DRS3 Sounds!-Moderator Matthias Erb drei Tage lang live vom Gurten.
Do 15. Juli / Fr 16. Juli / Sa 17. Juli von 20 bis 24
Website Gurtenfestival
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(14.07.2010)
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