Open Air Frauenfeld 2010

37,5 Grad auf dem Thermometer und Highlights wie Dizzee Rascal, Eminem, Raekwon, Jan Delay und natürlich Jay-Z auf der Bühne. Das Open Air Frauenfeld war heiss. Die DRS Virus Bounce-Crew schrieb Tagebuch am grösstem Rapfestival von Europa...

14:30 Gopf. Da will man eigentlich Feierabend machen und dann das: Die hinreissende Ebony Bones stürmt mit ihrer farbenfrohen Band die Bühne und überzeugt von der ersten Sekunde an! «Knallbunt, wild, überdreht, eigenwillig, störrisch und exzentrisch» sei die Londonerin, heisst es absolut treffend auf der Frauenfeld-Page – neben der charismatischen Londonerin wirkt Lady Gaga wie ein billiges Flittchen. Der Gig gleicht einer Zirkusvorstellung, geboten wird ein Mix aus Tribal, Punk, Varieté und Indierock…sofern man das Dargebotene überhaupt einordnen kann/will. Ich geb mir jetzt noch ein, zwei Songs und mach mich dann vom vertrockneten Acker. Sorry, Diams, tschuldigung Fanta 4…ich mag nicht mehr. Bis nächstes Jahr. Peace.

13:40 Seit rund 20 Minuten rockt Brother Ali die Bühne 2. Auch wenn der Independent-Rapper (Rhymesayers) für viele bisher (leider!) unbekannt sein dürfte, hat der charismatische Herr aus Wisconsin das leider etwas spärlich vorhandene Publikum (zu heiss, alle schon auf dem Heimweg?) mit seiner offenen Art rasch auf seiner Seite. Brother Ali sticht aber nicht nur wegen seiner durchdachten, persönlichen Texte aus der breiten Mcee-Masse heraus, auch seine Erscheinung und seine Geschichte sind eindrücklich: Ali ist ein weisser Albino, der mit 15 zum Islam konvertierte und sich wegen seiner Andersartigkeit schon bald in der Black Community bewegte. Seinen Namen erhielt Brother Ali übrigens von einer 6-jährigen Schülerin, wie er im Bounce-Interview erklärt (das ausfühliche Interview gibts in einer der nächsten Shows).

12:00 Superschwiizer Gimma beendet seinen von Gästen gespickten Gig und zeigt sich von der rockigen Seite – kommt gut mit Liveband. Zuvor hat der 'Skandalrapper' zahlreiche Kumpel und Weggefährten auf die Bühne geladen…Semantik, Gerard MC, Cigi, OBK, Ds Quartier sowie meine Wenigkeit, um nur einige zu nennen. Trotz der Auftrittszeit (ab 11:00) haben sich erfreulich viele Leute vor die Bühne getrollt – darunter auch ein überdimensionaler Plastik-Penis. Grandios.

Das war der Samstag

01:30 Eimsbüttel am Start. Zum sechsten (!) Mal in Folge steht Samy Deluxe in Frauenfeld auf der Bühne (Samy: «Ich gehör hier fast schon zum Mobiliar»). Nach dem Jigga-Auftritt hats der «deutsche Jay-Z», wie er von Fans schon genannt worden sei, nicht leicht. Der Hamburger meistert dies aber mit seinen unfickbaren Skillz und mit seiner Tsunami-Band aber souverän. Nach wenigen Songs erhalten die Mannen Unterstützung von Jan Delays Bläser-Sektion. Und kurz darauf humpelt auch der angeschlagene Jan Delay (Fuss verstaucht, oder so, siehe unten) himself auf die Bühne. Er scheint offensichtlich bereits die ein oder anderen Schmerzmittel zu sich genommen zu haben;) Und stylisch gekleidet ist er auch wieder, auch wenn er das babyblaue NY-Cap dem Schreiber abgeguckt hat. Dieser Fauxpass sei ihm dank seines grandiosen Auftrittes verziehen.

00:55 Mein Gott, was für ein Konzert! Jay-Z hat soeben die Bühne verlassen und zuvor in rund eineinhalb Stunden klar gemacht, warum er zu den besten Mcees alive gehört. Mit vornehmen 30 Minuten Verspätung hat der gute Herr gegen 23:30 die Bühne betreten – und zwar ohne grosses TamTam oder langwierige Extra-Intro-Show. Einfach Hallo-da-bin-ich-Style…sehr sympathisch. Jigga muss eh niemandem mehr etwas beweisen – er macht es aber trotzdem. Die Anfangsphase bewältigt Jay-Z alleine mit seiner hervorragenden Band. Jedes Wort ist glasklar gerappt. On point. Backup-Rapper Memphis Bleek stösst erst später dazu und anders als etwa bei Eminem (um das prominenteste Beispiel zu nennen) hat man hier nicht das Gefühl, dass Sean Carters Sidekick ihm dazu dient, Schwächephasen zu überbrücken, sondern dazu, den Meister weiter anzustacheln. Das Publikum hat der New Yorker vom ersten Takt an hinter sich. Und als Jay-Z sich lachend der Sonnenbrille entledigt und minutenlang Aug in Aug mit einzelnen Leuten aus dem Publikum kommuniziert (happy B-Day Roxanne;), schmelzen die Damen vor mir dahin. Der alte Charmebolzen…kein Wunder, dass auf ihn Beyoncé im Backstage wartet (Madame hat sich übrigens nicht auf die Bühne bequemt…but who cares?). Die ausgesprochen gute Laune von Jigga ist ohnehin bemerkenswert. Der Herr legt so eine Eigenschaft an den Tag, die man bei viel zu wenigen Rappern seines Kalibers sieht: Spielfreude! So springt natürlich auch der Funke aufs Publikum über. Auf die einzelnen Hits einzugehen, würde hier wohl den Rahmen sprengen…nur soviel: er hat sie (fast) alle gespielt. Puh, ich bin noch immer völlig euphorisiert. Ein überwältigender Auftritt, der wohl so schnell nicht wieder getoppt wird. Und dies alles von einem Rapper, der sich eigentlich vor sieben Jahren aus dem Rapgame zurückziehen wollte. Ein Glück hat er es sich anders überlegt.

22:40 Hühnerhaut-Moment: I AM spielen «Petit Frère», das Publikum rappt laut mit…ab vor die Bühne. 22:35 Star-War-Time: I AM fuchtelt mit Laserschwertern auf der Bühne rum, «L'empire du côté obscur» ist angesagt. Geil. 22:30 Wieder ein legendärer Act auf der Nebenbühne: I AM rocken das durch sanften Regen erfrischte Publikum. Jeder neu angespielte Klassiker wird mit Jubelschreien begrüsst. Rapper Akhenaton beweist Mut und demonstriert Solidarität mit der französischen Fussball-Nationalelf indem er deren Trikot trägt. Ein sympatischer Auftritt der Jungs aus Marseille. Die Germanen haben derweil an der WM Platz 3 geholt. Gratulation.

22:15 Insider-News: Jay-Z hat anscheinend Beyoncé mit im Gepäck. Man munkelt von einem Gastauftritt…noch 50 Minuten.

20:50 Oha. Apokalypse now in Frauenfeld…Wind, starker Wind, und dunkle Wolken kündigen ein Gewitter an. Was solls, Jan Delay rockt wie Sau und das Beste: Der Hamburger ist zwischen den Songs fast noch unterhaltsamer, als während des Musizierens. Ein grandioser Entertainer halt. Hier ein paar Beispiele: «Ein Freund von mir ist Pfarrer in einem kleinen Minarett hier um die Ecker, der hat diesen Beat gemacht…» oder «mein linker Fuss ist verletzt, Kevin Prince Boateng ist mit auf dem Weg zur Bühne in die Beine gerutscht» (die Fussverletzung wird zum stylischen Running-Gag der Show). Und auch den Fussball vergisst der verspätete Jan nicht: «Danke, dass ihr hier seid und nicht beim Fussball (Deutschland tschuttet grad gegen Uruguay, Anm. d. Red.), ich bin euch Schweizern eh dankbar, dass ihr diejenigen Gedemütigt habt (die Spanier, Anm.), die uns demütigten». Der beste folgt aber gegen 20:15…das Publikum spurt nicht und Jan droht, das gesamte Culcha Candela Konzert zu wiederholen. Danke für diesen Humor. Jay-Z ist inzwischen – vermutlich mit Beyoncé im Gepäck – im Helikopter über das Gelände geknattert (bei dem Wind!) und hinter der Bühne gelandet. Die Spannung im Backstage steigt.

20:25 Ein exzellent gelaunter und wie immer superfresh gestyler Jan Delay (rosa Hemd…ja, er darf das…und babyblaue Hose zum weissen Hut) betritt die Bühne während sich dahinter ein apokalyptisches Gewitter zusammen zu brauen scheint. Erster Track: «Rave against the Machine». Es folgen superoriginelle Versionen von «Türlich, türlich» (über Cameos «Word Up»), Ushers «Yeah» (mit dem Text von «Gustav Gans») und «Backstreets Back» (lol=). Schön, dass auch ältere Beginner-Texte wiederverwertet werden…zum Beispiel den vom grandiosen Klassiker «Füchse».

19:55 Der Chef Raekwon rockt seit gut einer Stunde die Bühne 2 – und haut uns Wu-Tang-Klassiker um die Ohren, bis wir Hühnerhaut bekommen. Und mit «Wu-Tang-Clan ain't nothing to fuck with» als Starter kann man fast nichts mehr falsch machen – auch wenn man das Publikum mit «Swissland» begrüsst. Zugegeben, wir Bouncer sind wegen unserer musikalischen Sozialisation (90ies) etwas vorbelastetdoch was Rae da vom Stapel lässt, reisst mit…inklusive der neuen Tracks wie «House of the flying daggers». Knochentrockene Wu-Beats, ein DJ, ein Backup und ein angesichts seiner stolzen Leibesfülle erstaunlich fitter Reakwon, das sind die Zutaten für eine klassische, simple Rapshow. So einfach sind wir zufrieden zu stellen;) Einziger Minuspunkt: Die langen Pausen zwischen den Tracks, die den Konzertfluss stören. Aber mit diesen Klassikern im Gepäck darf man das. Raekwons Konzert ist für uns der bisherige Höhepunkt am Samstag, der das Grauen auf der Hauptbühne von zuvor vergessen macht. Ach ja, die beiden mutigen Typen im neongrünen Borat-String waren auch nicht schlecht;)

17:45 Die Boygroup Culo, ääh Culcha Candela, hat die Show begonnen. Die Frauen im Publikum toben, wir halten uns hier mit weiteren Kommentaren zurück. Man liest sich wieder ab 19 Uhr…dann kommt Raekwon. Yeah!

17:30 US-Hype/Newcomer Wale hat soeben seinen durchzogenen Gig beendet. Auch bei ihm hat sich die Hitze merklich auf Publikum und Performance ausgewirkt. Phasenweise wirkte der Rapper mit nigerianischen Wurzeln etwas uninspiriert. Dass Wale aber zu den besseren Rappern gehört, war definitiv nicht zu überhören. Vielversprechend für die Zukunft, dann aber bitte nicht mehr mit einer Standard-US-Rapshow.

16:20 Es ist zu heiss! Vor der Hauptbühne tummeln sich ein paar wenig hundert Hartgesottene und unterstützen tapfer Marcello D2, der mit seinem brasilianisch-portugiesischen Rap für Latino-Flair sorgt. Der Herr ist zu bemitleiden – er schlägt sich tapfer und bietet eine ansprechende und unterhaltsame Show, doch die Hitze lähmt die Leute. Nach dem ansprechenden CH-Rap-Morgen scheint der Nachmittag zudem eher schwach besetzt zu sein. Nicht, weil die Bands schlecht wären, sonden, weil die Leute diese schlicht und einfach nicht kennen. 15:55 Konkurrenz für den Virus-Beatbox-Roboter Knackeboul? Der Backup-Rapper des brasilianischen Rapstars Marcello D2 unterhält mit einer erfrischenden Beatbox-Einlage und beweist, dass er mit seinem Stimmspektrum wohl ohne weiteres auch als Opernsänger agieren könnte. Cool, auch wenn gewisse Soungs des Beatbox-Medleys etwas ausgelutscht sind (Seven Nation Army u.a.).

15:00 Eingängige Töne auf der Nebenbühne. Die Irie Révoltés unterhalten das überhitze Publikum mit einer süffisanten Mischung aus Reggae, Ska und HipHop. Die Heidelberger scheinen der Crowd zu gefallen mit ihren deutschen und französischen Texten, allerdings wirken die sieben Jungs irgendwie wie eine Light-Version von Culcha Candela (…Seed für Arme;) – und das ist kein Kompliment. Auf Dauer wirken die Anti-Nazi-Parolen – trotz guter Absicht – leider ziemlich unsympathisch.

14:00 Charmeoffensive aus Australien: Auf der Hauptbühne spielt Blue King Brown aus Melbourne Soul und Roots-Reggae mit der betörenden Sängerin Natalie Pa'apa'a. Letztere mit stylisch geschminkter Augenpartie. Genau das richtige für die heisseste Zeit des Tages.

13:00 Das Publikum grölt zum tausendsten Mal «Seven Nation Army» der White Stripes (Na NaNaNa NaaaaNaa)…Greis hat soeben sein abwechslungsreiches Konzert beendet. Als ob der Berner selber nicht genügend vielseitig wäre, serviert er dem Publikum zahlreiche Gäste: Der Südafrikaner Rogue-State-Alliance-Sänger/Rapper Crosby bei «Myekeleni» (Hühnerhaut-Track), Baze bei «Teil vom Problem» und Manillio bei «Nie ganz verby», bei dem der Solothurner die Lücke von Akhenaton füllt, der auf der Album-Version des Songs mit drauf ist. Schade, dass Akh nicht persönlich vorbeigekommen ist. Er steht mit I AM erst um 21:45 Uhr auf der selben Bühne. Freudige Ankündigung am Rand: «Das neue Baze-Album kommt im Herbst», verkündet Greis. 12:15 Der Chlyklass-Rapper stimmt «So leid» an. Die Sonne brennt auf das gutgelaunte Publikum. Der Berner mit Sonnenbrille und Velokurier-Käppli startete seine Show mit «Mitti vom Orkan», gefolgt von seiner Kapitalismus-Brandrede «Global», dem ersten Greis-Hit. Der Musiker zeigt schon in der ersten Viertelstunde sein ganzes Sound-Spektrum: Accapella-Einlagen, Gesang, Freestyles und technisch versierte Raps. Alles natürlich mit DJ Claud (Sektion Kuchikäschtli) und Drummer JJ Flück im Gepäck. Nice und sympathisch. Das Publikum ist bereits sehr zahlreich am Start.

11:30 Das erste Konzert auf der Hauptbühne nach der grossen Show von Marshall Mathers läuft. «Krass, Eminem war quasi unsere Vorgruppe», flunkert Bandit ins Mic. Zusammen mit seinem Luut-und-Tüütli-Kollegen DJ Aldäwaldä rockt der Glarner die Crowd. Shukos Beats vom aktuellen Bandit-Album brettern knackig durch die Boxen. Erstaunlich: Die Morgenkonzerte klingen akustisch besser, als die der Big Names in der Nacht zuvor. Vielleicht, weil man den ganzen Morgen Zeit für den Soundcheck hatte?;)

11:00 Die Ufojugend ist bereits wieder auf dem Beinen und unterstützt Larry F beim ersten Samstagskonzert. Die Akustik ist bestechend und Larrys Liveband eine echte Bereicherung. Blickfang: Das Bühnenbild mit plakativen silber-schwarzen Graffiti-Buchstaben im Streetbombing-Style. I like.

So war der Freitag

Mit Dizzee Rascal, Eminem und Nas & Damian Marley. hat das Publikum am Freitag diverse Höhepunkte feiern dürfen. Aber es gab auch Enttäuschungen. Hier die Übersicht…

00:40 Endlich. Nas und Jr. Gong beginnen mit Verspätung den heisserwarteten Gig mit dem Instant-Classic «As we enter» (mit was sonst?;), gefolgt vom grandiosen «Nah Mean». Nicht schlecht, da werden zwei der stärksten Songs vom gemeinsamen Album «Distant Relatives» gleich zu Beginn verbraten. Mutig. Es folgt ein kurzes Medley aus Nas-Hits (Street Dreams, If I Ruled The World, HipHop is Dead u.a.) bevor Jr. Gong für «Leaders» und weitere Kollabo-Tracks wieder ans Mic tritt. 00:30 Rap meets Reggae. Nas und Damian Marley lassen sich die 100 Meter vom Backstage zur Bühne fahren.

00:25 Durchatmen. Eminem hat sein Konzert mit der Zugabe «Lose Yourself» beendet nachdem er sich mit «Not afraid» innig bei seinen Schweizer Fans bedankt hatte. Ein insgesamt grundsolides Konzert, das akkustisch aber immer wieder absackte. Wohl auch wegen der vielen Soundquellen (Liveband, DJ, Stimmplaxback etc.). Eminems Stimme klang teilweise wie vom Winde verweht.Trotzdem, das Charisma von Mr. Marshall Mathers überstrahlte jede Sound-Baisse und wenn Em mit starrem Blick und ohne die oft störenden Playback-Stimmen während seiner Rap-Parts «Stan» performt, kommt Hühnerhautfeeling auf. Der zu erwartende Gastauftritt von D-12 beschränkte sich zum Glück auf wenige Songs. In Punkto Energie konnte Eminem die von Dizzee Rascal sehr hoch gelegte Messlatte kaum toppen. Dennoch war es eindrücklich, einer der besten und grössten Rapper alive in Fleisch und Blut zu sehen. Ein Mcee, der sich seit Ewigkeiten nicht mehr für ein Konzert in Europa gezeigt hat und der zerbrechlicher wirkt als auch schon. Bleibt zu hoffen, dass Eminem seinen momentanen Output aufrecht erhält und sich wie auf «Recovery» weiter auf seine Wurzeln besinnt. Das Frauenfelder Publikum, das ihren Helden frenetisch gefeiert hatte, würds bestimmt freuen.

22:50 Die Eminem-Show hat begonnen. Erster Track: «Won't back down» mit dem Pink-Refrain ab Konserve. Zweiter Song: «3AM». Bereits vor Konzertbeginn transportierten Sanitäter die ersten kollabierten Fans hinter die Bühne. Während des Gigs wird es so weiter gehen.

22:30 Whoa. Abriss. Dizzee Rascal hat soeben um 5 Minuten überzogen (zum Glück!) und der durchdrehenden Crowd die Hits «Holiday» und «Bonkers» um die Ohren geknallt. Was für ein Auftritt. Auch dem Künstler scheint es sehr gefallen zu haben. Jetzt muss sich Eminem aber ins Zeug legen, um das nochmals zu toppen.

21:40 Elektrorap ist angesagt: UK-Rapper Dizzee Rascal rockt mit roughem Grime und Dubstep die Nebenbühne. Souverän und voller Energie, wenn auch mit wenig Publikums-Interaktion. Das Publikum tobt. Vor der Hauptbühne gibts per Lautsprecher die ersten Ermahnungen: Alle Wartenden sollen 5 Meter zurücktreten, damits kein Drama gibt, wenn Eminem dann in gute einer Stunde loslegt.

20:40 «Nach dem Konzert geh' ich direkt ins Spital», verkündet Stress dem entzückten Frauenfelder Publikum – mit seinem Franko-Deutsch hat der Lausanner das Deutschschweizer Publikum wie gewohnt sofort im Sack. Eine gute halbe Stunde zuvor humpelte Stress mit Krücken auf die Hauptbühne. Um ein ein Haar hätte er, wie Jubaira in der Anmoderation verkündet, das Konzert wegen seiner Rückenbeschwerden abgesagt. Doch «das beste Europäische Rappublikum» möchte sich Stress nicht entgehen lassen, wie er verlauten lässt. Und so rockt der Rapper die Crowd, wenn auch mit ein bisschen weniger Körpereinsatz als sonst. Um so grösser ist die Unterstützung der gewohnt souverän agierenden Band, von Backuprapper Nega und der Sängerin Karolyn. Die Lenny-Kravitz-Einlage des Gitarristen wirkt aber etwas überflüssig. Beeindruckend ist die Abendstimmung über den Äckern neben der Bühne.

20:15 Die australische Band Hilltop Hoods beendet ihren vielbejubelten Auftritt auf der Bühne 2. Wie vergangenes Jahr (als die Band eine der VIRUS-Entdeckungen war) hat das Kollektiv auch 2010 die Sympathie der Schweizer gewonnen – und vor allem auch der Schweizerinnen. «Denn schlussendlich machen die Rap für Frauen», findet Bounce-Host Simon mit einem Augenzwinkern.

18:25 Auf der Hauptbühne tummelt sich immer noch D-12…wieder einmal ein passendes Beispiel für Amic-Acts, die es in dieser Form live NICHT braucht! Geboten wird lustloses Gespitte, Gastauftritte von unbekannten No-Names (who the fuck is Maestro?) sowie die üblichen Hands-Up-Floskeln. Das Publikum macht artig mit. Kein Wunder lässt Eminem seine Bandkollegen alleine auftreten. Könnte es sein, dass die Organisatoren Eminem nur mitsamt seiner D-12-Entourage buchen durfte? Und: Gunshots sind irgendwie so was von played out. 18:03 Der DJ von D-12 nervt seit gefühlten 100 Minuten mit einem Mash-Up diverser Raphits…bei den Europäern kommt diese billige Masche aber nicht besonders gut an. Doch oha, endlich betreten die Rapper des dreckigen Dutzends die Bühne…leider (noch?) ohne Eminem. Bizarre wird mit frenetischem Applaus begrüsst.

17:15 Clipse-Ersatz T.O.K. heizt auf der Nebenbühne mit jamaikanischem Dancehall ein. Nach dem fulminanten K.I.Z.-Gig wirken die die sieben Jungs der «worlds greatest reggae-band you've ever seen», wie sie auf der Bühne verkünden, aber ein wenig lau. Zuvor sollen T.O.K. dem Deutschen Rapper Casper – gekleidet in seehr engen Hosen – im Backstagebereich ein zärtliches «Battyboy» hinterhergeraunt haben.

16:30 Wow! K.I.Z. reissen alles ab und das Publikum dreht mit ihnen durch – ohne Rücksicht auf Verluste.…«schliesslich habt ihr Schweizer ja eine gute Kranken- versicherung», finden die derben Jungs in ihrem berühmt-berüchtigten Humor. In schwarzen Ganzkörperanzügen haben die Berliner fünfzehn Minuten zuvor die Bühne betreten, bewaffnet mit einer Art Mega-Feuerlöscher auf dem Rücken. Zu ihrem eigenen Wohl haben sie sich nach dem ersten Track ihrem Ghostbuster-Kostüm entledigt. Es folgen Hexenverbrennungs-Hymnen und ein «Hurensohn»-Mashup über Jay-Z's «Hard Knock Live» – grandios.

14:00 Die Bündner Rapcrew Breitbild entjungfert vor vollen Rängen und bestgelauntem Publikum die Hauptbühne.

(fetch)

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