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Bounce, Do 20-22

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Royal Arena Festival 2010

Mit einem gut gelaunten Ludacris ging das Royal Arena Festival zu Ende. Am Samstagabend jagte ein Höhepunkt den nächsten. Bounce-Moderator Fetch hat in Text und Bild aus Orpund berichtet.

Fazit: Insbesondere der Festival-Samstag hatte es in sich. Nachdem der schwedische Rapper Prop Dylan (für mich die Neuentdeckung des Weekends) um 18:30 Uhr die Bühne stürmte, jagte praktisch ein Highlight das nächste: Chali 2na überzeugte mit seiner unverkennbaren, tiefen Stimme und seiner charmanten Art. Masta Ace und Edo G zeigten, wie ein Rapduo zu funktionieren hat und begeisterten mit ihrem von Klassikern gespickten Set (mein Höhepunkt: Masta Ace mit der Auto-Hymne «Born 2 Roll»). Evidence und Alchemist gaben sich spitzbübisch: Sie verkleideten sich mit Perücke bzw. Fischerkäppi als Cypress Hill und bedröhnten das Publikum mit «Hits From The Bong»…köstlich. Die Boot Camp Clik liess sich für ihre Hits aus Bucktown feiern (Rapper Buckshot wollte gar nicht mehr von der Bühne weichen). Und Headliner Ludacris gab der Crowd, was sie wollte – nämlich Hits.

Am Freitag überzeugten vor allem die Foreign Beggars mit ihrem energiegeladenen Konzert sowie die beiden perfekt harmonierenden DJ/Producer-Mcee-Duos Freeway & Jake One bzw. Talib Kweili & Hi-Tek. Im Gegensatz zum Samstag war die Stimmung am Freitag etwas zurückhaltender, ebenso der Publikumsaufmarsch. Ob es am kurzen Platzregen lag oder an der Programm-Änderung (Boot Camp Click auf Samstag verschoben)? Positiv hervorhoben werden muss auch das Graffiti-Meeting von Freitag und das Breakdance-Battle am Samstag (jeweils nachmittags). Absolut lobenswert, dass die Organisatoren in Orpund alle Disziplinen der HipHop-Kultur berücksichtigen. Frauenfeld ist vielleicht das grösste Rap-Openair der Schweiz, Orpund hingegen definitiv das grösste HipHop-Openair – eingebettet in eine idyllische Umgebung. Auch die 11. Ausgabe des Royal Arena Festivals können die Organisatoren meiner Meinung nach als Erfolg verbuchen. Bis zum nächsten Mal.

So war der Samstag

02:00 Das Ludacris Konzert ist am Ende angelangt. Und ich auch.

01:55 Das Publikum in Orpund tobt, Ludacris hat soeben «Muve Bitch» angespielt. Wenige Minuten vorher bretterte Kanye Wests «Stand Up»-Beat über das Gelände. In der Tat: Luda verfügt über ein beachtliches Hitrepertoire. Und er schöpft es aus. Am Bühnenrand stehen – aufgereiht wie Hühner auf der Stange – diverse aufgebrezelte Damen aus Ludas Entourage und filmen mit ihren Handys das tobende Publikum. Die Damen scheinen einen Wettbewerb zu veranstalten, wer an einem Openair die höchsten High-Heels (auch Fuckme-Boots genannt) tragen kann, ohne auf dem doch etwas ungeeigneten Untergrund aufs Näschen zu fallen. Ludacris pflügt sich derweil unbeirrt durch sein Set, das demjenigen vom Openair Frauenfeld 2009 ziemlich ähnlich gewesen sein soll, wie diverse Leute behaupten.

Die Konzerte der Boot Camp Click und Evidence zusammen mit Alchemist waren grandios. Allen merkte man die Spielfreude sichtlich an.

21:30 Whow! «We did it like this, now we do it like that.» Masta Ace und Edo G. packen ihre Klassiker aus – begleitet von Jubelschreien. Und die beiden haben einige Klassiker auf Lager. Die Stimmung in Orpund wird von Konzert zu Konzert besser…Ludacris kann sich freuen. Der Schreiber – ein bekennender Masta-Ace-Fan – ist begeistert. «Beatiful» kurz darauf «Born to Roll», was will man mehr? Zwei spielfreudige Rapper auf der Bühne, tausende seelige Fans davor. So solls sein.

20:00 «My Name ist Chali 2na from Jurassic Five» stellt sich der gutgelaunte Herr auf der Bühne dem Publikum vor – und wird freudig empfangen, schliesslich ist er in der Region – spätestens seit dem J5-Konzert am «Royal Openair» – kein Unbekannter mehr. Genauso wie der Westküsten-Rapper, der kurz zuvor im Backstagebereich angekommen ist – zusammen mit einem der bekanntesten US-Produzenten. Erraten um wen es geht? Nicht? Die Rede ist natürlich von Dilated-Peoples-Rapper Evidence und Alchemist. Letzterer stand ja unlängst als Live-DJ von Eminem auf der Bühne in Frauenfeld. Und Evidence hat soeben im Hotelzimmer in Biel einen Track mit Sean Price (Boot Camp Click) aufgenommen, wie er im Interview gegenüber Bounce verrät.

19:30 Preisfrage: «Was war zuerst da, die Scheisse oder das Loch?» Diese grandiose Zeile stammt von Huss & Hodn, die zusammen mit Sylabil Spill das Publikum (über)fordern. Die Retro-Rapper aus Deutschland bieten schwere Kost: Trockene Sample-Beats, gepaart mit sperrigen Raps, irrwitzigen Punchlines und skurrilen Vergleichen. Kumpel Krin gefällts überhaupt nicht. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich die Jungs gut oder scheisse finden soll. Einmalig sind sie allemal. Besonders Hodn (?) mit seinem blauen Schweizer Sennenkäppi, das aussieht, als hätte er es in einer Autobahnraststätte erstanden.

18:45 Skandinavien ist im Haus und zum ersten Mal kommt Stimmung auf: Prop Dylan aus Schweden lässt das Publikum vor die Bühne strömen und die Arme in die Luft recken. Es ist auch höchste Zeit, die Achselhöhlen zu lüften, schliesslich hat man einen heissen Nachmittag hinter sich. Prop Dylan erinnert von weitem ein klein bisschen an Stress. Und was er live zu bieten hat zeigt, dass Schweden noch mehr dopen Rap zu bieten hat, ausser Looptroop. Dazu kommt das sympathische Auftreten des Rappers, der auch schon mit DJ Premier gearbeitet hat. Wem Primo gefällt, wird definitiv auch an Prop Dylan seine Freude haben.

18:20 Langsam wirds auch vor der Konzertbühne etwas voller. Dort präsentiert Samurai sein jüngstes Album «Legendär». Unterstützt wird der Zürcher von P. Moos (Gleis Zwei) und Max Urban (Sergio).

17:45 Beim Rundgang über das Festivalgelände zeigt sich, wo sich die meisten Leute den Samstagnachmittag vertrieben haben: In der schattigen Römerarena im hinteren Teil des Geländes. Dort wo früher das «Arena Festival» statt fand, bevor man mit der königlichen Schwester aus Täuffelen fusionierte und zum «Royal Arena Festival» wuchs. Die Arena ist fest im Griff der Breakdancer, die vor zahlreichem Publikum ihre Moves für das Finale üben. Vorbildlich war vor allem einer der krassesten (gesehenen) Tänzer, dieser hatte nach seiner Stripeinlage im rotierenden Kopfstand nichts besseres zu tun, als sich demonstrativ eine Zigarette anzuzünden. Wird der etwa vom prominent vor Ort vertretenen Zigi-Hersteller gesponsert?

Anyway. Die Stimmung ist gelassen und relaxt. Hoffentlich setzt die Crowd heute mehr Energie frei als am Vortag, wo sich die Konzertgänger eher zurückhaltend zeigten. Auf der Konzertbühne begrüssen TNN derweil die Basler Kollegen Kush und Krime auf der Bühne. Über dem ganzen Festival hängt ein modriger Duft, wie man ihn sich von Openairs gewohnt ist. Ich weiss nicht, ob ich ihn mögen oder hassen soll. Am Montag werd ich ihn jedenfalls bestimmt vermissen.

17:20 Uhr geballte Rappower aus der Nordwestschweiz: Kalmoo, Red Gee und DJ Phillister – zusammen unterwegs als TNN – betreten die Bühne. Vor ihnen liegt eine fast leere Festivalwiese…die meisten Leute verstecken sich noch am Rand entlang im Schatten der Fressbuden, einige Wenige geniessen vor der Bühne die Sonne – und den schnörkelosen Rap der Basler. Auch der Bieler Ivory MC hatte es zuvor nicht einfach, das noch etwas verschlafene Völkchen mit französischem Rap aus dem Schatten zu locken. La Dixion und Lo & Leduc wird es wohl ähnlich ergangen sein, leider habe ich sie verpasst.

So, der Samstag kann beginnen. Vor kurzem – um 11:30 Uhr – ist die ganze Boot Camp Clik im Hotel eingetroffen. Sensationeller Anblick: Der gigantische Rap-Berserker Sean Price neben dem Wichtelmännchen namens Buckshot=) Die Jungs kommen Straight vom HipHop Kemp in Tschechien, wo sie am Freitag gespielt haben. Dummerweise war das BCC-Konzert in Orpund ebenfalls auf Freitag eingeplant…ratet Mal, wer das Programm umstellen musste;)

Mhh, irgendwie funktioniert die Bildergalerie links nicht (sorry)…die Pics könnt Ihr Euch aber auch hier ansehen.

So war der Freitag

Orpund, Freitags um 22:50 Uhr: Die Londoner Crew Foreign Beggars steht noch keine fünf Minuten auf der Bühne, als der Himmel über dem Festivalgelände seine Schleusen öffnet und es in Strömen zu regnen beginnt. Natürlich erwischt Petrus die meisten Festivalbesucher auf dem linken Fuss – das heisst, ohne Schirm und Regenjacke. Wer hat schon mit Regen am «letzten» Sommerweekend!? Der Schreck währt zum Glück nur kurz: Das himmlische Nass löst sich während der energiegeladenen Show der Briten wieder in Luft auf.

Was die Foreign Beggars während rund einer Stunde bieten, kann sich sehen lassen: Dubstep-, Grime und Rap-Banger, deren Baseline einem die Ohren flattern lassen. Yeah! Man merkt den sympathischen Jungs definitiv an, dass sie rund 100 Konzerte pro Jahr spielen. Wie bereits Dizze-Rascal in Frauenfeld sorgen auch in Orpund die Briten am Eröffnungstag für die energiegeladenste Show. Schade nur, dass der Funken nicht immer aufs Publikum überspringt (können die kein Englisch?).

Nach dem Londoner Quartett übernimmt Jay Electronica die Bühne. Leider kann der mit vielen Vorschusslorbeeren überschüttete «Konsens-Rapper» (wie es im Programm heisst) aus New Orleans live nicht wirklich überzeugen. Zu lange sind die Pausen zwischen den Songs, zu abgenutzt die Call-and-Response-Spielchen mit dem Publikum. Irgendwie hätte ich da mehr erwartet.

Im Gegensatz zu Jay Electronica hat Sido im Anschluss-Konzert die Crowd von Beginn an hinter sich. Egal ob beim Opener «Sido» oder beim folgenden «Schlechtes Vorbild»…das Publikum rappt mit. Die Mischung aus Konserven-Beats und Live-Band klingt gut. Bestens gelaunt spielt sich Sido – unterstützt von B-Tight und Alpa Gun – routiniert durchs Set bis hin zum «Arschficksong». Danach macht sich der Berliner mit seiner Entourage im Backstage locker – bewacht von einem Bodyguard, so gross wie Hulk. Mindestens.

Nachdem der wartende Talib Kweli samt Tourmanager beinahe über den Haufen gerannt worden sind von Sidos Wandschränken, sorgt der Headliner zusammen mit Hi-Tek für den Schlusspunkt des Abends. Das eingespielte Duo – zusammen bekannt als Reflection Eternal – spielt sich durch die Hits der beiden gemeinsamen Alben…stets dabei im Hintergrund: US-Rapper Freeway und Jake One, die während des gesamten Konzertes auf der Bühne verharren. Ein schönes Bild. Nach diversen Talib Kweli Hits (z.B. «Get By») beenden die Freitags-Headliner den Konzerttag gegen halb zwei Uhr nachts.

Zeitsprung zurück: Vor dem Platzregen beim Foreign Beggars Konzert bewiesen der bärtige Freeway und Jake One, dass sie nicht nur auf dem grandiosen Kollabo-Album «Stimulus Package» (get it!), sondern auch auf der Bühne perfekt harmonieren. Das Duo hat mir sogar fast besser gefallen als Reflection Eternal.

Ebenfalls zu überzeugen wusste zuvor der Berner Greis, der wie immer mit DJ Claud, Drummer JJ Flück und einer illustren Gästerschar (Manillio, Crospy, Burni Aman u.a.) anreiste – souverän wie bereits in Frauenfeld.

Etwas rougher zu und her ging es vor dem Chlyklass-Rapper mit dem deutschen Produzenten-Team Snowgoons und deren beiden US-Rappartnern Lord Lhus und Sabac Red. Sehr zur Freude des Publikums gab letztgenannter auch noch ein paar Klassiker seiner Ex-Crew Non Phixion zum besten. Warum sich die legendäre New Yorker aufgelöst hatte, wollte Sabac im nach dem Konzert Interview nicht verraten. Geboten wurden von den Goons und Co. harte, sample-geschwängerte Beats mit noch härteren Raps. Geil. Die Snowgoons-Alben «Black Snow» und «The Trojan Horse» werden vom Bounce-Team übrigens wärmstens empfohlen.

Vor der deutsch-amerikanischen Kollabo hatten es MXX, ein Rapper und Produzentenkollektiv aus Lausanne (Album «The Swiss Game» erscheint nächste Woche) sowie die Lokalmatadoren von 9MM schwer, das Publikum auf ihre Seite zu reissen. Zu licht waren noch die reihen, zu chaotisch aber teilweise auch die Shows mit den diversen Rapper, die permanent durcheinanderwuselten. Ein bisschen mehr Struktur hätte hier vielleicht etwas geholfen. Angesichts der Auftrittszeit (18:40h bzw. 18:15h), haben sich die Jungs aber tapfer geschlagen. Schwerer hatte es einzig der Churer Globetrotter Dachs, der um 17 Uhr fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielen 'durfte'. Schade, der Sound der vom Bündner (inzwischen zurück von seinem mehrmonatigen Asien-Trip) geboten wurde hätte mehr Aufmerksamkeit verdient.

(Fetch) (21.08.2010)


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