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Filmexperte Jérôme Brunner weiss, für welche Filme es sich lohnt ins Kino zu gehen.

Film der Woche: Michael

Filme über Pädophile sind eher selten. Der österreichische Film «Michael» ist somit etwas Aussergewöhnliches. Speziell ist vor allem, dass nicht das Opfer im Zentrum der Geschichte steht, sondern der Täter.

Michael ist 35 Jahre alt und geht täglich seinem Job als Versicherungsangestellter nach. Er wirkt introvertiert, ja fast schon bieder und fällt vor allem durch seine tüchtige Arbeitsweise auf. Was niemand in seinem Umfeld weiss: Im Keller hält Michael seit Jahren einen Jungen gefangen, den er sexuell missbraucht.

Mensch oder Monster?
Jedem von uns sind die Bilder und die Geschichten um Natascha Kampusch und Josef Fritzl wohl noch bestens in Erinnerung. Auch dem österreichischen Regisseur, Markus Schleinzer, erging es so. Mit «Michael» wollte er einen Film schaffen, in dem kein boulevardesques Monster-Täterbild herrscht und das Gezeigte keine positive oder negative Wertung erhält.

Gut oder Böse?
«Michael» vermenschlicht seinen Täter, was in mir einen Konflikt auslöste. Ich sympathisierte in einem Moment mit Michael und verteufelte ihn im nächsten. Ich musste selber entscheiden: Ist das was ich sehe gut oder böse?

Markus Schleinzers Regie-Debüt ist ein Film, der die Diskussion um Pädophilie positiv bereichert, indem er den Zuschauer zur Verantwortung zieht und dadurch mehr zum Thema beiträgt, als jegliche Berichterstattung der Medien es jemals könnten. Ich vergebe 4 von 5 Punkten.

«Michael» startet am 23. Februar in folgenden Städten Bern (Kellerkino), St. Gallen (Lokremise), Basel (kult.kino camera 1) (21.02.2012)


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