This is Mental X
«Ich will mit meiner Show eine Schweizer Plattform für Electronic-Clubsounds bieten»
«Eigentlich wollte ich ja gar nicht DJ werden!»
Eine ziemlich ungewöhnliche Aussage für einen DJ, der immerhin schon seit über 15 Jahren erfolgreich hinter den Turntables steht und abgeht. «Going mental» bedeutet nämlich in etwa soviel, wie tierisch abgehen. Und wer MentalX mal beim auflegen zuhört und zusieht, merkt, dass er schon als junger Partygänger mit der aufblühenden Techno- und House-Kultur der frühen 90er in Kontakt kam. Mit 16 Jahren nämlich auf dem Areal der legendären Stückfärberei in Basel. Das "Stucki" zog in jenen Jahren, als diese Subkultur anfing sich, durch den Untergrund des europäischen Festlands zu wühlen, DJs und Clubber aus ganz Europa an.
MentalX hat die Anfänge damals nicht nur selbst miterlebt, sondern vor allem bald auch im "Heaven Underground" wesentlich mitgestaltet. Und heute hat er sich auf dieser Basis all das geschaffen, von dem er früher eigentlich nie träumte. Eine eigene Party-Reihe. Internationalen Respekt. Eine eigene Radio-Show. Doch vor allem, und das ist für ihn das wichtigste, konnte er seiner eigenen Vorstellung von Clubmusik und somit sich selbst treu bleiben.
«Wenn du diese Platten hören willst, dann leg sie selber auf!»
Die unvergleichliche Stimmung der Partys, dieses "My House is your House"-Gefühl, die sprichwörtliche "Love Stimulation", zog nicht nur den jungen MentalX fest in ihren Bann. Rein musikalisch betrachtet jedoch, entwickelte er schon früh seine ganz eigenen Ideen und begann darum selbst Platten, jenseits der strikten Trennung von House und Techno, zu sammeln. Wegweisende Tracks wie "Papua New Guinea" von Future Sounds of London, "Song of Life" von Leftfield oder "Visions of Shiva" vom gleichnamigen Projekt der beiden Berliner Cosmic Baby und Paul van Dyk gehörten zu seinen absoluten Lieblingsplatten. Noch gab es kein richtiges Forum für diesen noch undefinierten Sound. Er bat die Promoterin des Klubs "Heaven Underground" deshalb, doch die DJs zu buchen, welche diese Art von Musik auflegten.
"Wenn du diese Platten hören willst, dann leg sie selber auf!" war die Antwort. Gesagt, getan - kurz darauf legte er zum ersten Mal an einer After Hour im Heaven Undergrounds auf. Und die waren bald besser besucht als andere Partys im "Stücki". Deshalb durfte er auch kurz darauf schon das Warm Up übernehmen. Mit Szene-Grössen wie Laurent Garnier oder Eric Rug bestritt MentalX wenig später die Prime Time. Eine rasante Entwicklung, wenn man bedenkt, dass er sich in den ersten zwei Jahren noch nicht mal eigene Turntables leisten konnte. Den grössten Teil seiner Freizeit verbrachte er darum im Club mit Üben, und so lernte er nebenbei das Geschäft von der Pike auf kennen. Er erledigte die Bookings, half bei der Dekoration und sorgte sogar für die Animation. Sylvester 94-95 endete schliesslich dieses goldene Zeitalter der Basler Klubkultur. Das Heaven Underground schloss endgültig seine Pforten, zwei Monate später sogar das ganze Stücki-Areal. Doch tief drinnen lebt all das in MentalX bis heute weiter.
«Raves waren wirklich was Spezielles, doch der Klub gab mir mehr»
Mitte der 90er kam die einstige Untergrundbewegung der Klubmusik an die Oberfläche. Grosse, professionell organisierte und eindeutig kommerziell orientierte Raves wurden zur regelrechten Massenbewegung. Und auch hier kann MentalX für sich in Anspruch nehmen, von Anfang an dabei gewesen zu sein. Als erster DJ erhielt er sogar seinen eigenen Floor im Schweizer Rave-Mekka Roggwil. Das erforderte allerdings auch bis zu zwölf stundenlange Marathon-Sets, u.a. an der Garden of Eden, Cubik, Gay Nation etc, mit welchen MentalX über mehrere Jahre seine grösser werdende Fan-Basis festigte. Denn durch die Rave-Kultur rückte der DJ immer stärker in den Mittelpunkt und wurde zum Popstar.
Den persönlich sonst eher zurückhaltenden MentalX interessierte das eigentlich wenig, noch heute will er sich selbst vor allem durch seine Musik ausdrücken. "Die Raves waren wirklich was Spezielles, doch der Klub gab mir mehr" sagt er heute dazu und so blieb er dem Klub auch in diesen Zeiten treu. Klub-Auftritte in ganz Europa, mit Höhepunkten wie Paris, Istanbul, Riccione, Wien, Hamburg oder München zeugen davon. Ganz besonders war für MentalX war auch sein Auftritt an der After-Party der international bekannten Kunstmesse Art in seiner Heimatstadt Basel.
Er behielt seinem eigenen Stil Platten aufzulegen unbeirrt bei und sollte Recht behalten. Denn 1996 prägte Star-DJ Sasha aus England endlich den Begriff "Epic House". Und dieser traf auf den Punkt genau das, was auch MentalX seit Jahren machte. Eine Mischung aus den eher sanften, melodiösen Elementen der Trance-Musik, verbunden mit den faszinierend, treibenden Beats des Techno oder House. Prägende Künstler für die internationale Szene waren Leute wie BT oder Underworld. Wichtig für den globalen Erfolg dieses Stils war auch die starke Abgrenzung zum kommerziell dominierten Hardtrance-Bereich. In der Schweiz fand dieser Underground-Sound ebenfalls bald seine Anhänger. Unbedingt zu erwähnen ist an dieser Stelle mit Sicherheit auch DJ-Gogo und Viola, die unter anderem im Zürcher Klub Labyrinth ebenfalls Pionierarbeit in Sachen "Epic House" leistete.
Zwischen 1997 und 1998 zeichnete sich ab, dass die Klub-Kultur der Rave-Kultur langsam aber sicher wieder den Rang ablief. Auch MentalX zog es wieder vermehrt in die Klubs, doch zuvor holte MentalX niemand Geringeren als Weltstar und Top-DJ Paul van Dyk, an eine unvergessene, von ihm selbst organisierte Rave-Party nach Basel. Nebenbei bemerkt das einzige Basler Party-Highlight in der zweiten Hälfte der 90er. Zumindest was diese Art von Musik betrifft. Und zum anderen passierte noch etwas ganz Wichtiges. 1996 kam er durch ein Interview für die DRS 3-Sendung "Lets Dance" zum ersten Mal mit dem Medium Radio in Berührung.
«Ich dachte, die wollen bloss wieder ein Interview!»
1999 klingelte das Telefon und MentalX wurde vom Schweizer Staatsradio DRS ins Radio-Studio eingeladen. "Ich dachte, die wollen bloss wieder ein Interview!" so MentalX, doch in Wirklichkeit erhielt er dort dann das einmalige Angebot, seine eigene Radio-Show auf dem frisch gegründeten Radio-Sender VIRUS zu gestalten! Ein Sound-Techniker des Studios hatte eine seiner Partys in Basel besucht und ihn prompt weiter empfohlen. Das war die Geburtsstunde von "Shake", der ersten Schweizer Radio-Show, die sich ausschliesslich dem "Epic House" (früher oft auch als Progressive House bezeichnet) hingab.
Die Karriere beim Radio weist eine interessante Parallele zu seiner Karriere als Club-DJ auf. Auch beim Radio begann er mit klein mit zwei Stunden Sendezeit, um seiner Show "Shake" und sich nach kurzer Zeit die Prime Time mit vier Stunden zu sichern. "Qualität setzt sich einfach durch" meint MentalX dazu abgeklärt, und sieht sich ganz zu Recht darin bestätigt, kompromisslos seinen musikalischen Vorstellungen guter Klubmusik zu folgen. Ausserdem auch ein wichtiger Baustein in seiner Karriere als professioneller DJ. "Eine eigene Radioshow ist einfach der Traum eines jeden DJs. Für die Chance einem so grossen Publikum tolle DJs aus aller Welt und natürlich auch meinen eigenen Sound präsentieren zu dürfen, bin ich absolut dankbar". Vergleiche mit Pete Tongs Essential Mix, Paul van Dyks Soundgarden oder John Digweeds Show auf Kiss100 machten in der Schweizer Szene bald die Runde.
Jeden Samstag gibts vier Stunden live gemixte Clubsounds vom allerfeinsten, gleichzeitig moderiert von MentalX. Und auch als Shake-Moderator kann MentalX mehr als überzeugen. Inzwischen kann Shake eine Gästeliste aufweisen, von der Andere nicht mal zu träumen wagen. Paul van Dyk, James Holden, Deep Dish, Gogo, Kosheen, Quivver, Ellen Alien, Electric Indigo und Mara um nur Einige zu nennen. Alle legten schon live im Shake auf und stellten sich den kompetenten Fragen von MentalX. Die Nominierung zum Ericson Dance Music Award gabs dafür schon 2000.
«Von Amsterdam und Hamburg über Paris, von Köln nach Wien»
Die Basis bleibt der Club. Neben Gigs in den angesagtesten Europäischen Clubs, z.B. dem «Under» in Paris, der «Greenkomm» in Köln oder dem Q in Zürich, ist Mental X seit über sieben Jahren Resident DJ im Party-Tempel Labyrinth, ebenfalls in Zürich. Zwischenzeitlich hatte MentalX auch eine Residency im populären Klub Dome in Lindau. Über diesen Kontakt lernte er auch Peter Lavelle kennen, welcher dort schon seit Jahren Resident war. Beiden verstanden sich auf Anhieb nicht nur musikalisch ausserordentlich gut. Die gemeinsamen Sets von Peter und MentalX sind jedes Mal ein absolutes Highlight. Auch mit dem Live Act Greed ging er im Frühjahr 2004 auf Club-Tour. Hinter Greed steckt vor allem Tobi Wirz, seines Zeichens Chef des renommierten SOG-Labels aus Zürich. Im gleichen Jahr produzierten Greed und MentalX die Dance-Version von "Superfly" der Schweizer Rock und Crosover Band "Yellow Blackboard". Der unglaubliche Erfolg der Scheibe war nicht voraus zu sehen. So wurde der Track kurzerhand auf den O.S.T des Kinofilms "Snowwhite" gelistet, und auch Weltstar Paul van Dyk hat die Remixe auf seiner "Politics of Dancing 2" - CD ge-featured, und bezeichnete "Superfly" als beste Platte des Jahres 2005.
Seit 2005 ist MentalX nun auch festes Mitglied der SOG-Records Familie. Als A&R ständig auf der Suche nach den zukünftigen Floor-Burner.
Nach Superfly und drei DJ-Compilations, erschien im Februar 2006 die zweite Single von MentalX & Greed mit dem Namen Lumiera auf dem schwedischen Vorzeigelabel ACDC Records, und auch der Sommer wurde heiss. MentalX und Greed remixten die neue Huge-A Single, deren Erfolg Superfly in Nichts nachstand.
2007/8 folgen nun u.a. ein Remix für die französin DJ Nugen und Wez Clarke und ein Re-Release von Lumiera, das knapp zwei Jahre nach seiner Veröffentlichung seinen Platz in John Digweeds & Nick Muirs (Bedrock) Plattenkiste fand und prompt mit einem Remix geehrt wurde.
Lässt man die ganze Geschichte nur kurz Revue passieren, dann hat MentalX schon so einiges für seine Musik, seine Show und natürlich sich selbst erreicht. Und dabei hat er die Dreissig noch gar nicht so lange überschritten. Die Zukunft wird uns und ihm deshalb sicher noch einige grosse Höhepunkte bescheren! (31.08.2009)
Radio Saalschutz!
MT Dancefloor und DJ Flumrock vom Elektropunkduo Saalschutz bei DRS Virus - und das jeden zweiten Mittwoch! Oder wann immer du möchtest - Radio Saalschutz gibt's auch zum immer wieder anhören.
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